DFB tritt gegen "Doppelte Bestrafung" ein
Montag, 11. April 2011
DFB tritt gegen "Doppelte Bestrafung" ein
Elfmeter und Ausschluss - Wie sinnvoll ist das Ahnden eines Torraubs durch Foul im Strafraum mit einem Penalty UND einer Roten Karte?
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bemüht sich um die Abschaffung der "doppelten Bestrafung". Die Torchance werde durch den zu verhängenden Strafstoß ohnehin wiederhergestellt, wird gegenüber dem für das Regelwerk zuständige International Football Association Board (IFAB) argumentiert – bislang vergeblich.
"Dieses Wochenende hat uns eine wunderbare Vorlage dafür gegeben, wie unsinnig es ist, eine Mannschaft in einer solchen Situation zusätzlich zu einem Strafstoß auch noch mit einem Platzverweis zu bestrafen", resümierte DFB-Schiedsrichterchef Herbert Fandel nach der 29. Runde gegenüber der Tageszeitung "Frankfurter Rundschau".
Gleich drei vergleichbare Szenen zwangen die Schiedsrichter regelrecht zum Handeln. Oder auch nur eingeschränkt, denn einer von ihnen verweigerte sozusagen das bedingungslose Gehorsam. Denn Referee Peter Gagelmann zeigte nach dem Foul von Dortmunds Mats Hummels am einschussbereiten Hamburger Mladen Petric überhaupt keine Karte und nur auf den Elfmeterpunkt. Die Borussen wurden nicht dezimiert und konnten kurz vor Schluss sogar den Ausgleich schaffen. Gagelmanns Kollegen Wolfgang Stark und Thorsten Kinhöfer hingegen hielten sich, mit ähnlichen Szenen konfrontiert, mit Punkt und Beistrich an die Fußball-Regel 12.
Dort steht nämlich geschrieben: "Ein Spieler [...] wird des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht: [...] Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist."
Der DFB selbst hat diese Regelung bereits eigenmächtig aufgeweicht und seine Unparteiischen dazu angehalten, nicht automatisch Rot zu zeigen, wenn es sich beim zu bestrafenden Spieler um den Tormann handelt. Faktoren wie Absicht seien zu beachten, heißt es in der mehrmals öffentlich gemachten Weisung.
Es könnte aber mittelfristig Bewegung in die Angelegenheit kommen. Denn bei der im vergangenen März abgehaltenen Sitzung des IFAB wurde der Antrag auf Regeländerung zur Prüfung an eine noch zu gründende Task Force weitergeleitet. Der DFB hofft dabei auch auf Franz Beckenbauer. Das scheidende FIFA-Exekutivkommitee-Mitglied könnte den Vorsitz der Task Force übernehmen und den Weg zur Änderung ebnen.



