Missglückte Eckball-Variante wird zu Unrecht mit Torerfolg belohnt
Dienstag, 22. November 2011
Missglückte Eckball-Variante wird zu Unrecht mit Torerfolg belohnt
Stolze sechs Tore wurden den Zuschauern in der englischen Premier League beim 3:3-Remis zwischen Schlusslicht Wigan Athletic und dem Vorletzten Blackburn Rovers geboten. In Erinnerung wird vor allem das zwischenzeitliche 2:2 für die Gäste durch David Hoilett bleiben. Die Entstehungsgeschichte hat Seltenheitswert – und zwar berechtigt, wie ein Blick in das Regelbuch verrät.
Wir schreiben die 60. Minute: Blackburn liegt mit 1:2 zurück und ist bereits auf zehn Mann dezimiert. Ein Eckball soll den Spielverlauf wieder wenden. Rovers-Angreifer Yakubu Ayegbeni schnappt sich den Ball, platziert ihn nebst der Cornerfahne, überlässt die Ausführung seinem Teamkollegen Morten Pedersen. Statt die Kugel hoch in den Strafraum zu dreschen oder den Eckball kurz abzuspielen entscheidet sich der Norweger für eine dritte Variante. Pedersen legt sich den Ball selbst vor und trabt seelenruhig Richtung Tor. Den scharfen Schuss aus spitzem Winkel kann Latics-Keeper Ali Al-Habsi noch ablenken, gegen Hoiletts Abstauber hat der Schlussmann aber keine Chance mehr.
Schiedsrichter Andre Marriner gab den Treffer – eine Fehlentscheidung, wie sich nach Analyse der TV-Bilder herausstellen sollte. Laut Regel 17 der Fußballregeln ist die Fortsetzung des Spiels durch einen Eckball wie folgt festgeschrieben:
"Der Ball ist im Spiel, wenn er mit dem Fuß berührt wurde und sich bewegt.“
"Der ausführende Spieler darf den Ball erst wieder spielen, nachdem dieser von einem anderen Spieler berührt wurde."
Den an und für sich schlauen Eckball-Trick hätte der Ayegbeni also beinahe versaut. Denn der Nigerianer hatte den Ball nicht berührt oder nur zu wenig, um ihn in Bewegung zu bringen. Ein Glück für ihn, dass das Schiedsrichtertrio in dieser Situation etwas unaufmerksam war.
Roberto Martinez, Manager der Gastgeber, gab sich nach der Punkteteilung als fairer Sportsmann und meinte: "Er wollte den Ball berühren, aber tat es nicht. Aber dann sieht man die Wiederholung und es ist unmöglich zu sagen. Nur mit magischen Augen, kann man das entscheiden." Im Nachsatz entblößt auch der Trainer mangelndes Detailwissen: "In solchen Fällen muss man den Eckball wiederholen." Falsch! Eine zweite Chance nach solchen Mätzchen ist in den Regeln nicht festgeschrieben. Die korrekte Entscheidung wäre ein indirekter Freistoß an jener Stelle, wo Pedersen den Ball zum zweiten Mal berührte.
Wie der Trick richtig auszuführen gewesen wäre zeigten die Stars von Manchester United im Jänner 2009 gegen Chelsea. Ironischerweise war das Schiedsrichterteam auch damals nicht ganz im Bilde und verweigerte dem Treffer schließlich zu Unrecht die Anerkennung.



