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No Fair-Play: Mit einer provozierten Verwarnung zur gewollten Sperre

Freitag, 2. Dezember 2011

No Fair-Play: Mit einer provozierten Verwarnung zur gewollten Sperre

Fragende Blicke an der Londoner Stamford Bridge. Wie lange braucht Chelsea-Kapitän John Terry denn noch, um den Einwurf in der Nähe des gegnerischen Strafraums auszuführen? Die Nachspielzeit ist längst angebrochen, die Gastgeber hatten ihre 3:0-Pausenführung gegen die Wolverhampton Wanderers auch in Halbzeit zwei bequem verwaltet. Zeitschinden wäre doch gar nicht nötig. Schließlich wird es auch Referee Lee Mason zu blöd. Er zeigt Terry die Gelbe Karte – war das nötig?


Die traurige Antwort lautet offenbar: Ja, das war es. Denn Terry wurde damit bereits zum fünften Mal verwarnt. Seine Sperre konnte der Innenverteidiger im ungeliebten League Cup absitzen. Nach dem Spiel dazu befragt, wiesen sowohl Manager André Villas-Boas als auch der betroffene Spieler die Vorwürfe, wonach die Gelbe ein abgekartetes Spiel gewesen wäre, von sich. Die Sache war damit abgehakt. Terry saß seine Sperre im ohnehin ungeliebten League Cup ab und geht sozusagen unbelastet in das schwere Dezember-Programm der Blues.


Szenenwechsel. Der mächtige FC Barcelona zeigt seine Dominanz auch gegen Rayo Vallecano klar auf. 4:0 führen die Katalanen zu Hause gegen den Underdog, als auch Piqué plötzlich alle Versiertheit mit dem Spielgerät vermissen lässt. Wie auch bei John Terry gipfelt die "Ratlosigkeit“ des Verteidigers beim Einwurf in einer Verwarnung. Schiedsrichter Miguel Pérez Lasa kann sich das Lachen nicht verkneifen, als er Piqué dessen fünften Gelben Karton in dieser Liga-Saison zeigt.


Damit verpasst der Weltmeister das Heimspiel gegen Levante und steht Barça im Clásico gegen Tabellenführer Real Madrid wieder zur Verfügung. Spaniens führende Sportzeitungen forderten danach vergeblich eine längere Sperre für den Übeltäter. Eine entsprechende Statutenänderung des spanischen Fußball-Verbandes (RFEF) aus dem Jahr 2010 hätte dies sogar regeltechnisch gedeckt. Spieler können seither nach provozierten Gelben Karten – der Schiedsrichter muss ihn schließlich für den Regelverstoß bestrafen – auch für zwei Spiele gesperrt werden.


Der Verband machte im Vorfeld des "Spiels der Spiele" von dem zusätzlichen Passus im Regelwerk keinen Gebrauch und ließ Piqué mit nur einem Spiel Sperre davonkommen. Für ausgleichende Ungerechtigkeit sorgte indes Xabi Alonso von Barças Erzrivalen Real Madrid. Auch er handelte sich seine fünfte Gelbe im Derby gegen Atlético ein – ein doppelt taktisches Foul.


Das Einplanen von Sperren ist an sich nichts Neues. Bereits im Mai 1991 sorgte Frank Ordenewitz in Deutschland für Aufsehen. Der Stürmer hatte im Pokal-Halbfinale zwischen dem 1. FC Köln und MSV Duisburg eine Gelbe Karte erhalten und wäre für das Finale gesperrt gewesen. Nach Zuruf des damaligen Köln-Trainers Erich Rutemöller provozierte Ordenewitz einen Platzverweis.


Die daraus folgende Sperre hätte der Kölner bequem in der Bundesliga absitzen können, wenn nicht der DFB eingeschritten wäre und Ordenewitz auch für das Pokal-Endspiel gesperrt hätte.


Die Häufung dieser Manöver in den letzten Tagen stellt jedenfalls eine neue Herausforderung an die Regelhüter dar. Wie können den Spielern diese Unsportlichkeiten abgewöhnt werden, ohne dass das Prinzip der Unschuldsvermutung mit Füßen getreten wird?
 

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