War der Ball drinnen?
Montag, 19. Juli 2010
War der Ball drinnen?
Trugbilder, optische Täuschungen und Fantasmen. Immer wieder stoßen Menschen an die Grenzen ihrer Wahrnehmungskraft. Müssen sie danach auch noch ein Urteil fällen, wird es besonders heikel. Anders als beim Rätselraten um das Ungeheuer von Loch Ness, geht es etwa beim Fußball um Siege, Punkte, Prestige und nicht zuletzt viel Geld. Ein Trugschluss hat ungeahnte Folgen.
Die jüngste Erscheinung fand am vergangenen Sonntag in Wien-Favoriten statt. Nach einem Eckball kommt Austrias Michael Liendl aus gut 20 Metern zum Schuss. Das Schiedsrichterteam meinte den Ball über der Linie, auch wenn er eigentlich nicht war. 1:0 für Austria Wien.
>> Zuerst Geisterspiel, dann Phantom-Tor
Das weckt natürlich Erinnerungen. Allein in diesem Jahr war es das bereits dritte belegte Phantomtor.
Im Jänner 2010 reichte in der zweiten deutschen Bundesliga ein Lattenpendler, der eigentlich deutlich ins Feld zurücksprang zu einem Torerfolg für Duisburg-Spieler Christian Tiffner.
Wenig später ereignete sich eine ähnliche Szene beim Africa Cup of Nations. Idriss Carlos Kameni, Torwart von Kamerun, ließ einen Freistoss des Ägypters Ahmed Hassan an die Latte abprallen. Von dort sprang der Ball wieder zurück. Für Referee Jerome Damon hatte der Ball aber die Linie überschritten.
Das prominenteste Beispiel eines eingebildeten Treffers stammt vom 32. Spieltag der Bundesliga-Saison 1993/1994. Thomas Helmer hatte es in Diensten des FC Bayern gegen Nürnberg erzielt. Der Ball rollte zwar am Tor vorbei ins Out, was Scheidsrichter Hans-Joachim Osmers aber nicht davon abhielt auf Tor zu entscheiden.
Bayern München gewann das Spiel mit 2:1, der DFB erklärte das Tor allerdings nachträglich für ungültig und beschloss eine Neuaustragung. Diese gewannen die Münchner prompt mit 5:0.
Fehleinschätzungen können aber auch in die entgegengesetzte Richtung bewegen, reguläre Tore aberkannt werden, weil sie schlichtweg nicht als solche erkannt wurden. Erst unlängst sorgte bei der WM ein nicht gegebenes Tor der Engländer im Spiel gegen Deutschland für erregte Gemüter. Dass es sich hierbei um eine vermeintliche Rache für das Wembley-Tor, die Mutter aller strittigen Situationen, handelte, ist nicht mehr als Ironie der Geschichte, die sich bekanntlich gerne als Farce wiederholt.
Vor fast einem Jahr berichtete die Wahre Tabelle Redaktion von einem noch krasseren Fehlurteil in der zweiten englischen Liga. Crystal Palace wurde dabei um ein reguläres Tor geprellt, weil der Ball die Verankerung des Tornetzes so unglücklich traf, dass er weit ins Feld zurücksprang. Der Schiedsrichter entschied davon getäuscht auf Abstoss.
>> Crystal Palace um Tor betrogen



